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Wenn einem gefühlt ganze Berglandschaften vom Herzen fallen, dann ist das so befreiend und erlösend wie es nur sein kann. Vorgestern war ein Tag, an dem mich mehrmals dieses Gefühl überrollt hat.

Es hat genau eine einzige Sekunde gedauert bis ich dich gesehen habe. Ob es jetzt dran lag, dass du mein drittes Kind bist, dass weiß ich nicht, aber als das typische wirre Schwarz/Weiß auf dem Bildschirm bei der Frauenärztin erschien, da war ich nicht verwirrt wegen des Wirrwarrs, sondern sah sofort dich. Deine Fruchthöhle, deinen Dottersack und ganz klar dich.

Dein Herzschlag war so kräftig und stark, dass selbst der Ärztin ein „Oh, sie sind aber schon ganz schön weit“ entwich. „Ich schätze 6+3… Oh, laut Ultraschall sogar 6+6“. Entweder habe ich mich also mit dem Eisprung vertan, was ich ehrlich gesagt weniger glaube, weil ich ihn eindeutig gespürt habe, oder aber du bist schlichtweg jetzt schon ein kleiner Riese. So wie der Rest deiner Familie.

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Du bist dennoch erst winzig kleine 7 mm groß und hast bereits ein Herz, welches kräftig und ständig schlägt. Wie verrückt dieses Wunder „Mensch“ doch ist, oder? Ich meine 7 mm… Das ist so klein wie ein Reiskorn. Noch nie hat ein Reiskorn so viel Bedeutung in meinem Leben gehabt! Auch sonst bist du zeitgerecht entwickelt und scheinst dich pudelwohl zu fühlen. Die Ärztin füllte auf meinen Wunsch einen weiteren Mutterpass aus, damit auch du diesen irgendwann in deiner Erinnerungskiste haben kannst und beglückwünschte mich mehrmals zu dieser Schwangerschaft.

Ich mag unsere neue Ärztin. Sie ist einfühlsam, ruhig und nicht so distanziert und kalt. Sie behandelt mich nicht wie ein alltägliches Objekt, sondern zeigt Interesse an mir als Menschen mit meiner individuellen Situation. Die „alte“ Ärztin war auch super, so ist das nicht, nur leider einfach zu weit weg und damit war das ein K.O.-Kriterium für unsere Zeit. Flexibilität steht in unserer Schwangerschaft nämlich an oberster Stelle. Schließlich muss der normale Wahnsinn Alltag nebenher trotzdem gemeistert werden.

Nun heißt es wieder literweise Blut zur Verfügung zu stellen, damit alle möglichen Tests gemacht werden können und sollte alles nach Plan verlaufen, so sehe ich dich noch vor Weihnachten wieder. Drei Wochen können wirklich furchtbar lang sein!

„Es kommt immer anders und vor allem als du denkst.”, kreist es in meinem Kopf während ich ohne Kleidung auf dem Bett sitze und weine. Eine Wehe nach der anderen überrollt mich und ich schaffe es nur knapp, dem Helden bei Beginn von jeder Bescheid zu geben, damit er die Wehen-Schreiber-App starten kann. “Verflucht, Mucki, du musst mir rechtzeitig Bescheid geben!” knirscht er währenddessen, weil die App hängt und damit keine vernünftigen Ergebnisse liefern kann, die für uns aufschlussreich wären.

In Wahrheit brauchten weder der Held, noch ich diese App, denn eins war uns klar: DAS waren Wehen und diese kamen alle 2 Minuten. Mühevoll stehe ich auf und heule ihn von der Seite an. “Wir müssen Mama anrufen, oder? Und was ist, wenn es am Ende doch Fehlalarm ist? Scheiße. Scheiße, ich kann das heute nicht mehr.” Mein Rücken krümmt sich und ich halte mich am Türrahmen fest. Die Wehen-App vibriert warnend in meiner Hand. “Achtung – Geburtsbeginn!” Die letzte Wehe war 1 Minute und 34 Sekunden her. “Scheiße, ich kann heute kein Kind mehr kriegen!”

Aber vielleicht fangen wir einfach von vorne an.

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