Geburtsbericht des kleinen Helden

„Es kommt immer anders und vor allem als du denkst.”, kreist es in meinem Kopf während ich ohne Kleidung auf dem Bett sitze und weine. Eine Wehe nach der anderen überrollt mich und ich schaffe es nur knapp, dem Helden bei Beginn von jeder Bescheid zu geben, damit er die Wehen-Schreiber-App starten kann. “Verflucht, Mucki, du musst mir rechtzeitig Bescheid geben!” knirscht er währenddessen, weil die App hängt und damit keine vernünftigen Ergebnisse liefern kann, die für uns aufschlussreich wären.

In Wahrheit brauchten weder der Held, noch ich diese App, denn eins war uns klar: DAS waren Wehen und diese kamen alle 2 Minuten. Mühevoll stehe ich auf und heule ihn von der Seite an. “Wir müssen Mama anrufen, oder? Und was ist, wenn es am Ende doch Fehlalarm ist? Scheiße. Scheiße, ich kann das heute nicht mehr.” Mein Rücken krümmt sich und ich halte mich am Türrahmen fest. Die Wehen-App vibriert warnend in meiner Hand. “Achtung – Geburtsbeginn!” Die letzte Wehe war 1 Minute und 34 Sekunden her. “Scheiße, ich kann heute kein Kind mehr kriegen!”

Aber vielleicht fangen wir einfach von vorne an.

Wir schreiben den 12. September 2013 und der Wecker reißt mich um 6 Uhr endlich aus wirren Träumen. In der Dusche prasselt bereits das Wasser und damit wird mir bewusst, dass der Held schon eine ganze Ecke eher wacher ist als ich.

Da sind wir also – Einleitungsversuch Nummer Zwei und meine gefürchtete Tabletten-Methode wartete im Krankenhaus auf uns. Ich drücke mir die Hände gegen die Augen und sehe die Szenen während Milas Geburt genau vor mir. “Moni, sind die Schmerzen schon so schlimm?” Das ratlose Gesicht meiner Schwester und die Verzweiflung spiegelten sich in mir. Zerfressen von Selbstzweifeln. War meine Schmerzgrenze damit schon erreicht? Ich einfach zu schwach? Stelle ich mich an?

Der Held betritt das Wohnzimmer und schaltet die Tageslichtlampe von Dexter, unserer Königspython, ein und mein Kopfkino damit aus. Jetzt heißt es funktionieren und zügig den Morgen hinter uns zu bringen. Wir packen alle Sachen zusammen und machen uns “ausgehfertig”. Die Püppi freut sich auf ihre Patentante und packt noch ein zweites Trinkpäckchen für ihren Cousin ein. Im Auto überlege ich, ob wir auch wirklich nichts vergessen haben. Sind alle Papiere in der Tasche? Die Geburtsurkunden am richtigen Platz? Wenigstens lenkt es mich von meinem Chaos im Kopf ab.

Mila verabschiedet sich mit einem dicken Kuss von mir und ich schlucke einen ebenso dicken Kloß im Hals runter, während mir Tränen in die Augen steigen. Es liegt so viel Veränderung in der Luft und gleichzeitig die Ungewissheit, ob überhaupt heute irgendetwas passiert. Unerträgliche Kombination, wenn man mich fragt. Der Held stellt den Kindersitz der Püppi auf die Terrasse vom Schwesterherz und ich versuche, genau diese auf ihrem Handy zu erreichen. Verdammt, es geht nur die Mailbox ran. Also zum Notfallplan greifen und einmal kurz auf dem Haustelefon anrufen. Hoffentlich habe ich jetzt nicht die Kinder geweckt. Mein Atem steht still und ich warte auf eine Reaktion als schon der Held um die Ecke biegt und wieder in das Auto steigt.
Das Schwesterherz textet mir, dass ihr Handy wahrscheinlich in einem Funkloch lag und dass mein Schwager in Spe ab 13 Uhr Richtung München fliegt und damit unsere Mama zur Unterstützung kommt. Außerdem soll ich mir keinen Kopf machen – Wenn das so einfach wäre.

“Moni, du hast bald dein Baby!”, schreibt sie und mir stehen die Tränen schon wieder in den Augen. Los, es soll endlich starten.
Die Strecke zum Krankenhaus könnte der Held mit Sicherheit auch blind fahren. Wir scherzen über die Möglichkeit, in zwei Tagen erneut diesen Weg fahren zu müssen. Baby? Nein, wir bekommen heute bestimmt keins. Mein Körper ist schließlich unglaublich Wehenresistent. Um 7:20 Uhr erreichen wir den Parkplatz des Krankenhauses und fahren an den “Storchen”-Parkplätzen vorbei. Der große Storch lächelt uns von der Seite an. Wie gerne würde ich jetzt in der Situation stecken, einen dieser Parkplätze benutzen zu dürfen. Mit einem Körper, der von alleine das Startsignal für die Geburt des kleinen Helden gegeben hat.

An der Rezeption sitzt eine Frau am Telefon und lächelt uns zu während wir auf den Fahrstuhl warten. Mir wird schlecht und es liegt ausnahmsweise mal nicht an der Fahrt mit dem Fahrstuhl. Die Türen der Kabine öffnen sich und das warme Apricot an den Wänden der Wöchnerinnenstation gibt einem gleich ein gutes Gefühl. Einmal tief durchatmen. Wir hören leises Babyweinen aus einem der Zimmer und in der Cafeteria sitzen zwei frischgebackene Mütter mit ihren kleinen Babys in den krankenhaustypischen Babybetten. “Schau mal wie winzig sie sind”, flüster ich dem Helden zu während dieser auf die Klingel zum Kreißsaal drückt.

Die Türen öffnen sich und meine Schwiegermama guckt mich an. Zumindest war dies der erste Gedanke, den ich hatte als ich die Hebamme sah. Wüsste ich es nicht besser, würde ich sofort sagen das es ihre Zwillingsschwester ist. Ihre Brille sitzt kess in den Haaren und wippt leicht als sie uns zulächelt. “Wir kommen zur Einleitung”, flüster ich nochimmer. “Na, dann folgt mir mal unauffällig”, spricht sie und dreht sich mit einem warmen Lächeln um. Wir maschieren in die Richtung des Anmeldezimmers, wo ich zuerst an das CTG geschnallt werde.

Zusammen planen wir den kommenden Tag. Wenn das CTG unauffällig ist, bekomme ich nach 30 Minuten die erste Kapsel des Weheneinleitenden Mittels. Danach müsste ich eine weitere halbe Stunde ein Kontroll-CTG schreiben lassen. Sollte sich in dieser Zeit nichts tun, würde ich für 1 1/2 Stunden pausieren, um dann wieder für eine halbe Stunde ans CTG zu müssen. Erst dann gibt es die nächste Dosis des Mittels und eine weitere halbe Stunde am CTG. Dies würden wir insgesamt in fünf Runden so halten. Nach der fünften und somit letzten Dosis müssten wir vier Stunden warten und dann nochmals eine halbe Stunde CTG schreiben lassen. Wäre ich bis dahin nicht unter der Geburt, dürften wir nach Hause.

Ich verschone euch von unserem langweiligen und gleichzeitig so kräftezehrenden Erzählungen aus diesem Tag. Das Warten auf Schmerzen macht mich psychisch und physisch so mürbe und kaputt, dass ich in den letzten vier Stunden Pause fix und fertig einschlafe. Ganze sieben kleine Wehen durfte ich in dieser Einleitung verzeichnen. Der Held und ich wissen nicht, ob wir lachen oder weinen sollen. Wir überlegen hin und her, ob wir der Empfehlung des Krankenhauses folgen und einen Tag mit der Einleitung pausieren, um dann am Sonntag einen erneuten Versuch zu starten oder ob wir bereits morgen weiter machen sollen.

Während wir verzweifelt warten, bekommt in dem Kreißsaal nebenan eine Frau ihr Kind innerhalb von 10 Minuten. ZEHN MINUTEN. Sie klingelte an der Kreißsaaltür, ihr Mann erklärte, dass seine Frau Wehen hätte, die Hebamme brachte sie in den Kreißsaal und verließ diesen kurz, danach hörten wir die Notfallklingel und einen aufgeregten Mann, der nach der Hebamme rief, weil seine Frau just in der Sekunde einen Blasensprung hatte. Die Hebamme konnte gerade noch um die Ecke biegen als wenige Presswehen später bereits vergnügtes Quietschen der Hebamme und danach Babyweinen zu hören war.
Mir hätte man in dem Moment getrost die Kugel geben können.

Nach den vier Stunden warten steht für uns fest: Wir können nicht mehr und brauchen den Tag Pause. Ich schreibe dem Schwesterherz, dass ich noch eine halbe Stunde am CTG liegen müsse, die Hebamme (mittlerweile die nächste Schicht) mich noch untersuchen würde und wir dann dann die Püppi holen würden. Es ist mitllerweile 20 Uhr und der kleine Held in mir schläft. Das passt der Hebamme aber nicht und deshalb sollte ich an einem Zitrus-Badezusatz riechen, der den kleinen Helden wecken würde. Schlagartig wurde es wild in meinem Bauch. Die Herztöne meines Sohnes rasten so hoch wie ich es noch nie auf dem CTG beobachten konnte. Er war so aktiv, dass der Balken  der die Kindsbewegungen aufzeichnet nur noch als ein dicker schwarzer Strich wahrzunehmen ist. Jeder fette Markerstift hätte es nicht besser machen können.

Nach 45 Minuten erklärt die Hebamme uns, dass wir nochmals eine Stunde warten müssten, weil sie uns mit so einem CTG-Bericht nicht nach Hause schicken könnte. Dem Helden fällt die Kinnlade auf den Boden und ich beichte den neuen Stand der Dinge meiner Schwester. Langsam aber sicher bekomme ich ein schlechtes Gewissen meiner Familie und meiner wunderbaren Tochter gegenüber, die ohne Murren diese grässliche Situation sei Tagen ertragen muss. Sie erklärt mir, dass sie unsere Mama nun nach Hause geschickt habe und die Püppi auf dem Sofa eingeschlafen ist. Wir sollen uns nicht sorgen und alles in Ruhe beenden.

Der Held und ich sind mittlerweile nach fast 14 Stunden Kreißsaal so aufgekratzt und fertig mit der Welt, dass wir uns von einen Lachflash in den nächsten jagen. Um 22.15 Uhr ist auch das letzte CTG abgeschlossen. Die Hebamme bittet mich, die Hose auszuziehen und untersucht meinen Muttermund. “Frau Elch, sie stehen heute nicht mehr unter der Geburt” erklärt sie mit einem müden, aber mittlerweile auch leicht genervten Lächeln.
Ich seufze laut und kann mir ein ebenso genervtes Lächeln nicht verkneifen, möchte jetzt aber auch nur noch nach Hause.
Raus aus diesem Krankenhaus, raus aus dieser Situation und weg von meinen Selbstvorwürfen. Ich kann nicht mehr.

Wir packen unsere sieben Sachen und laufen zum Parkplatz. Der Held bezahlt das Parkticket und ich blicke den ollen Storch, der brav auf seinem Platz steht, böse an. Das Auto kommt mir wie ein großes Stück Heimat vor. Kaum vom Parkplatz abgebogen, fällt mir auf, dass die Hebamme vergessen hatte mir den Zugang aus meinem Unterarm zu ziehen. Die Überlegung wieder durch die Krankenhaustüren zu schreiten um das zu korrigieren dauert keine Millisekunde, denn keine zehn Pferde würden mich jetzt wieder in dieses Krankenhaus bekommen. Ich wollte jetzt nur noch eins: mein bereits geborenes Kind in meine Arme schließen und dann mit ihr und dem Helden ins Bett fallen. Meine Hebamme würde mir morgen bestimmt auch das lästige Teil in meinem Arm herausziehen können.

Wir schweigen während der Autofahrt und ich versuche den Tag aus meinem Kopf auszublenden. Die Nacht ist schwarz und die Luft eis-klar als ich aus dem Auto steige um die Püppi abzuholen. Wir klopfen leise an die Terrassentür meiner Schwester um keines der Kinder zu wecken. Ich kann einen kurzen Blick durch die Vorhänge werfen und entdecke meine Schwester, die meine schlafende Püppi streichelt während sie selig neben ihr auf dem Sofa schläft. Als sie das Klopfen hört, blickt sie zur Terrassentür und lächelt.

Ich erzähle ihr die Kurzfassung dieses deprimierenden Tages und der Held verfrachtet den Kindersitz in unser Auto, welchen wir vorher für Notfälle ausgebaut hatten. Plötzlich durchfährt mich ein Schmerzesblitz. Ich runzele die Stirn und streichele den Bauch. Der kleine Held hat in mir sicherlich genauso die Schnauze voll nach diesem Tag wie ich. Wir beide brauchen jetzt einfach nur mein Bett.

Dem Schwesterherz kann ich gar nicht sagen, wie dankbar ich ihr für die Unterstützung bin und verabschiede mich ein wenig hilflos von ihr. Auf der Treppe durchfährt mich die nächste Schmerzwelle, die mich zum stehenbleiben zwingt. Nach Hause. Ich will nur nach Hause. Die Püppi schläft weiterhin tief und fest und lässt sich mühelos vom Helden anschnallen. An der ersten Ampel zähle ich bereits drei von diesen schmerzhaften Blitzen. „Schatz?“ „Ja?“ „Ich glaube ich habe Wehen…“ „Mucki, erzähl keinen Scheiß! Wie, du hast Wehen?“ Ich weiß es selbst nicht besser. Wie war das denn alles noch beim letzten Mal? Waren das bereits die schmerzhaften „Ich sollte auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus“-Wehen? Waren es überhaupt Wehen? Moment, solange ich darüber noch nachdenken kann, dann sind es keine ernsten Wehen. Oder? ODER?

Der Parkplatz vor unserem Haus ist für mich wie eine rettende Oase. Mein Ziel ist nicht mehr weit! Nur noch ein paar Schritte und es ist geschafft. Morgen ist sicherlich alles wieder normal. Beim Öffnen der Autotür pfeift mir die kalte Nachtluft entgegen. Ich schaue wie selbstverständlich nach den Sternen, die heute nicht verhangen sind. Schade, dass mein Mädchen schläft, sie wäre verzückt. Wenige Schritte weiter bleibe ich von Schmerzen gebeugt stehen. Der Held sieht mich besorgt an. „Wir fahren zurück. Sofort!“ „Nein“, bettel ich. „Ich will schlafen. Nur schlafen!“ Ich schleife mich vor die Haustüre und ziehe mich bereits im Hausflur aus. Der Held hingegen bringt die Püppi behutsam und schlafend ins Bett. Sie schläft so tief und fest, dass ich nicht glaube, dass sie auch nur einen Augenblick von dieser ganzen Aktion bewusst mitbekommen hat.

Ich erreiche ohne Kleidung mein Bett und schmeiße mich, mittlerweile weinend, ins Bett. Wie oft waren jetzt die Schmerzwellen gekommen? Alle 3 oder alle 4 Minuten. Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Es darf einfach nicht wahr sein! Mein Gesicht bohrt sich in die Bettdecke und ich beginne zu zittern. Meine Zähne wollen einfach nicht aufhören aufeinander zu schlagen. Wo ist das verfluchte Handy mit der Wehen-App wenn man diese mal braucht?

Der Held blickt durch die Tür und öffnet die App auf seinem Handy. „Es kommt immer anders und vorallem als du denkst.”, kreist es in meinem Kopf während ich also nackt auf dem Bett sitze und weine. Eine Wehe nach der anderen überrollt mich und ich schaffe es nur knapp, dem Helden bei Beginn von jeder Bescheid zu geben, damit er die Wehen-Schreiber-App starten kann. “Verflucht, Mucki, du musst mir rechtzeitig Bescheid geben!” knirscht er währenddessen, weil die App hängt und damit keine richtigen Ergebnisse liefern kann, die für uns aufschlussreich wären.

Wir spielen hier ein nettes Spiel auf Zeit. 5 Minuten hat die letzte Frau vorhin im Kreißsaal nebenan gebraucht um ihr zweites Kind auf die Welt zu bekommen. Mir schallt schrill der Satz der Hebamme im Kopf: „Ach, wissen sie, die zweiten brauchen nie solange.“ Was ist, wenn wir es nicht mehr schaffen bis wir im Krankenhaus sind? Schließlich muss erst meine Mama wieder zu uns fahren und braucht sicherlich 15 Minuten und dann noch 20 Minuten bis ins Krankenhaus. Ich drücke mein Gesicht noch tiefer in die Bettdecke und merke, wie sich der Stoff feucht auf meiner Haut anfühlt. Ich habe das Gefühl, die Abstände der Wehen werden immer kürzer. „Was sagt die App?“ zische ich in die Richtung des Helden.

In Wahrheit brauchte weder der Held, noch ich diese App, denn eins war uns klar. DAS waren DIE Wehen und diese kamen alle 2 Minuten. Mühevoll stehe ich auf und heule ihn von der Seite an. “Wir müssen Mama anrufen, oder? Und was ist, wenn es am Ende doch Fehlalarm ist? Scheiße. Scheiße, ich kann das heute nicht mehr.” Mein Rücken krümmt sich und ich halte mich am Türrahmen fest. Die Wehen-App vibriert warnend in seiner Hand. “Achtung – Geburtsbeginn!” Die letzte Wehe war 1 Minute und 34 Sekunden her.

“Scheiße, ich kann heute kein Kind mehr kriegen!”

Wir schauen uns in die Augen und ich greife zum Telefon und rufe meine Mama an. Ich höre ihre Stimme am anderen Ende und muss augenblicklich wieder weinen. Im selben Moment höre ich, auch sie weint sie mit und spricht ruhig zu mir. Sie macht sich auf den Weg und wir sollen uns keine Sorgen machen. Der Held fährt sich durch die Haare und dreht sich suchend im Kreis um. Ich ziehe mich mühevoll an und verfluche, dass ich mich vorhin ausgezogen hatte. Die Kliniktasche und alle Papiere waren noch von vorhin im Auto. Ich bitte den Helden, schon mal das Auto vor die Tür zu fahren, damit es gleich schneller geht. So leise wie möglich versuche ich die Wehen zu veratmen und die Püppi nicht zu wecken. Doch plötzlich bekomme ich Angst, nicht mehr die Treppen bis nach draußen zu schaffen und gehe deshalb sofort los. An der Haustür und der kalten Nacht fällt mir auf, dass ich mir nur ein T-Shirt angezogen habe, doch da tauchen schon zwei Lichtkegel in der Dunkelheit auf. Das kann unmöglich meine Mama sein!? Ist sie geflogen!?

In Wahrheit hat sie mein Bruder gefahren. Sie umarmt mich und ich kann meine Tränen wieder nicht stoppen. Der Held erklärt ihr kurz die Situation und schon verschwindet meine Mama in unserer Wohnung und wir steigen ins Auto. Irgendwie muss ich sofort an MamaMiez und ihren Geburtsbericht denken. Sie hatte auch eine Horrorfahrt mit Wehen bis in dasselbe Krankenhaus und ich kann ihr nur zustimmen: Wehen während der Fahrt sind Arschlöcher. Umso erleichterter bin ich, als ich den Storch auf dem Krankenhausgelände sehe. Ich komme nicht drumherum zu grinsen und mich darüber zu freuen, nun doch auf den speziellen Geburtsparkplätzen parken zu dürfen.

Wie eine Irre reiße ich die Autotür auf und stampfe aus dem Wagen. Immer die beleuchtete Eingangstür des Krankenhauses im Blick. In meiner Hand vibriert mein Handy. „Ich komme!“ lese ich mit einem flüchtigen Blick auf den Bildschirm. Was? Meine Schwester kommt? Aber wie macht sie das mit den Kindern? Mein Schwager ist auf einer Dienstreise. Fragen über Fragen, aber ich kann nicht mehr denken und möchte nur noch in den Aufzug. Im Eingang des Krankenhauses nicke ich der Frau an der Rezeption nur kurz zu und veratme eine Wehe. Augenblicklich greift sie zum Telefon. Die Aufzugstür geht auf und der Held schiebt seine Hand in meine. Immer noch das Telefon in der Hand murmelt die Empfangsdame etwas ins Telefon,als sich die Aufzugstüren auch schon wieder schlossen. Wir müssen nach oben. Ganz nach oben!

Als sie sich wieder öffneten halte ich die Luft an und gehe so schnell ich kann durch den Flur. Hier liegen die Wöchnerinnen und das letzte was ich will ist eine der frischgebackenen Mamas mit ihren Babys durch mein lautes veratmen der Wehen zu wecken. Kaum das wir um die Ecke gebogen sind öffnet sich die Kreißsaaltür und die Hebamme schaut mich an. „Wir waren heute zur Einleitung da, kaum wieder zuhause begannen die Wehen. Alle zwei Minuten.“ erklärte ich ihr während sie bereits in Richtung des großen Kreißsaals mit schnellen Schritten ging. In dem Kreißsaal links neben mir kam bereits meine Nichte zur Welt und in dem rechts von mir mein Neffe. Gutes Zeichen.

Der Raum ist hell beleuchtet und alles wirkt so friedlich. An der Wand neben dem Kreißsaalbett ist eine Wickelunterlage, das CTG und ein Waschbecken installiert. Auf der Wickelauflage liegen mehrere Handtücher gestapelt. Wie von Sinnen lasse ich mich auf diesen Handtüchern fallen und stelle mich hüftbreit vor die Arbeitsplatte hin. Ich töne jede Wehe mit einem langen „Oooooooooooooh“ und beginne zu zittern. Dies ist mein geheimes „Bald bekomme ich ein Kind“-Zeichen, welches auch bei der Püppi genauso eintrat. Die Hebamme spricht lieb und sanft mit mir. Trotzdem fahre ich sie schroff von der Seite an. „Ich lege mich NICHT hin!“ betone ich zu deutlich und im selben Augenblick tut es mir schon leid. „Kein Problem. Dann versuchen wir das CTG im Stehen zu schreiben“ erklärt sie weiterhin ruhig und bittet mich, in einen Anlegestrumpf zu steigen. Dieser passt über den ganzen Bauch und die CTG-Schallköpfe können so beliebig verschoben werden.

Während sie immer noch nach der richtigen Position sucht, spricht sie mit meinem Baby im Bauch als könnte er sie hören. „Ich kriege dich, mein Kleiner. Du entwischst mir nicht!“ spricht sie und lacht. Der Frotteestoff des Handtuches ist hart und steif, so als wäre es ohne Weichspüler gewaschen, dennoch presse ich meine Stirn dagegen und atme die Wehe laut weg. Eins hatte ich mir geschworen: Dieses Mal würde ich mich nicht vom Schmerz überwältigen lassen. Dieses Mal ist kein Platz für Wut und Verzweiflung in meinem Kopf. Dieses Mal werde ich keine Angst haben zu sterben. Jede Wehe, die ich nicht richtig veratme, muss ich hinten anhängen. Also veratme ich als ginge es um mein Leben. Weil ich die Hebamme eben so schroff angefahren habe, versuche ich ihr nun entgegen zu kommen und frage sie, ob ich ihr irgendwie helfen kann. Aber mit 3 Papiertüchern über dem Schallkopf gedrückt, sitzt er endlich richtig und das CTG schreibt deutliche Wehen, aber auch grandiose Herztöne. „HA! Sag ich doch!!! Habe ich dich!“, stolz blickt sie mir ins Gesicht und tönt mit mir zusammen. Ich grinse sie schief von der Seite an und nicke in Richtung meiner Braunüle. „Wenigstens konnte ich Ihnen ein bisschen Arbeit ersparen. Die steckt nämlich noch von heute morgen in mir.“

Der Held holt mir gerade etwas zu trinken als meine Schwester den Kreißsaal betritt. Sie grinst über das ganze Gesicht und ich freue mich so sehr sie zu sehen. Doch die Wehen zwingen mich in meiner Position zu verharren und weiter zu atmen. Als der Held dann mit einer Kanne Wasser um die Ecke kam, begann ich langsam zu realisieren, was hier gerade passiert – Ich bekomme mein Baby! Meine Schwester erzählt währenddessen dem Helden, dass mein Bruder bei ihr Zuhause auf die Kinder aufpasst und ich das Baby doch bitte möglichst bis heute früh auf die Welt gebracht haben soll. Ich lache in das Handtuch hinein und wische meine Tränen und den Schnodder ab. Lachen und Wehen ist übrigens auch so ein Erlebnis für sich. Meine Hüften bewegen sich ganz automatisch im Kreis. „Rutsch, Baby. Rutsch schön tief ins Becken.“ predige ich mir innerlich zu und atme mit einem Zähneklappernden sehr tiefem „Ohhhhh“ aus. Im Kreißsaal neben an höre ich wie noch eine Frau ihr Baby bekommt.

Als die Hebamme den Kreißsaal wieder betritt, bindet sie mich vom CTG ab und bittet mich, auf dem Kreißsaalbett Platz zu nehmen. Meine Schwester ist immer noch wie auf Speed und ihr Kreislauf spinnt. „Ich muss mich kurz hinlegen, sonst kippe ich um“ erklärt sie kurzerhand und legt sich neben mich aufs Kreißsaalbett. „DU bist mir ja eine schöne Hilfe“, erkläre ich ihr lachend. Die Hebamme grinst über das ganze Gesicht während sie nach meinem Muttermund tastet. „Also dein Muttermund ist bei 3 cm, aber er fühlt sich noch recht straff an. Außerdem kann ich deinen kleinen Sohn am Köpfchen immer noch ein Stück nach oben drücken, d.h. er muss noch ein bisschen tiefer und fester ins Becken rutschen. Dann wird der Druck stärker und deine Wehen noch effektiver. Weißt du was? Du gehst jetzt noch so ca. 20 Minuten ins Treppenhaus und steigst von Etage zu Etage.“

In meinem Kopf läuft nur ein Film: Dieses Mal verlässt du dich ganz auf deinen Körper, lässt dich ruhig und gewissenhaft von den Hebammen anleiten und bekommst keine Todesangst. Dieses Mal nicht.

Meine Schwester ist immer noch ein wenig blass um die Nase und bleibt einfach auf dem Bett liegen während ich mit dem Helden in den stillen Krankenhausflur schleiche. Seine Hand fühlt sich ganz kalt in meiner an – aber sie hält mich fest und stark. Vor der Kreißsaalschleuse bleiben wir stehen und ich veratme wieder mit einem sehr tiefen Knurren eine Wehe. Leider sind die Handläufe entlang der Wände so niedrig oder ich einfach zu groß, um mich entspannt an ihnen rund zu beugen.

Der Flur liegt vor uns, aber ich traue mich nicht durch die Schleuse. Was, wenn ich mitten drin eine Wehe bekomme? Ich würde wahrscheinlich die ganze Station wecken. Nein, das kann und will ich nicht. Ich erkläre dem Helden, dass wir die wenigen Meter zum Treppenhaus rennen würden oder zumindest so schnell gehen wie mein riesiger Bauch es zulassen würde. Eins. Zwei. Drei. Mit einem Ruck drücken wir gegen die Tür und ich halte instinktiv die Luft an. Noch ein paar Schritte. Los!

Das Treppenhaus ist hell erleuchtet und es riecht nach Desinfektionsmitteln – das schlimmste jedoch: Es hallt unglaublich stark. Die Hebamme hat uns vorher erklärt, dass dies aber niemanden stören würde, also lasse ich mich in meinen Wehen fallen und setze einen Fuß vor den anderen. Heilige Scheiße, die Schieflage meiner Hüfte beim Treppenauf-/abstieg lässt mich in der Wehe alles vergessen und nur noch den Schmerz fühlen. Meine Tränen tropfen vor mich auf die kalten Steinstufen.

Plötzlich habe ich unglaublichen Durst und bitte den Helden, mir ein Glas Wasser und ein Haargummi zu holen und setze mich hin. Ich fühle mich als wäre ich einen Marathon gelaufen und kann keinen Schritt mehr tun. Wir beschließen diese Aktion abzubrechen und wieder zum Kreißsaal zu gehen. Erneut beginnt für uns ein kleiner Sprint zur Schleuse, nur klingeln konnte ich diesmal nicht. Ich würde noch vor der Tür eine Wehe bekommen und wollte das um alles in der Welt vermeiden.

In unserem Kreißsaal sitzt meine Schwester mittlerweile mit mehr Farbe im Gesicht auf dem Bett und wartet auf uns. Die Hebamme betreut noch die Mutter im nächsten Raum. Ich beziehe wieder Stellung bei den zwei Handtüchern und neben dem CTG-Gerät als die wirklich nette Hebamme sich neben mich stellt. Wir veratmen zusammen noch drei weitere Wehen. Sie lobt mein Tönen und spornt mich damit noch mehr an. Ich erkläre ihr, dass ich die Treppen nicht geschafft habe, was aber für sie kein Problem ist. Neben der Kommode steht ein Hocker, welchen sie vor mich stellt. „Bei der nächsten Wehe stützt du dich wie gewohnt nach vorne und stellst einen Fuß auf dem Hocker ab.“ erklärt sie mir. Es war weiterhin sehr unangenehm, aber ich meine zu spüren wie der Kopf meines Babys tiefer drückt und gegen meinen Beckenknochen stößt. Wir arbeiten in die richtige Richtung.

Bei der nächsten Untersuchung ist mein Muttermund bei 5 cm und sein Köpfchen nicht mehr wegzudrücken. Ich fühle den Stolz warm in meinem Bauch. Die Abstände der Wehen sind nun aber viel schmerzhafter und die Abstände kürzer. Fakt ist: Wir hatten noch 5 cm vor uns und sie bittet mich zu entscheiden, ob ich eine PDA möchte. Sie erklärt, dass sie dann die Wehen durch einen Wehentropf ein wenig verstärken möchte, falls diese durch die PDA wieder weniger werden. Ich selbst würde davon nichts spüren.

Nach dem PDA-Desaster bei der Geburt meiner Tochter wusste ich wie es werden würde, sollte diese Aktion nicht klappen, aber ich entscheide mich trotzdem dafür. Heute würde alles gut gehen. Heute kommt mein Sohn auf die Welt und ich werde es nicht zulassen, dass diese Geburt mich nochmals so aus der Bahn wirft. Ich werde jede Wehe nutzen. Ich werde in Ruhe veratmen. Ich werde mitarbeiten. Wir sind ein Team. Dieser, nein, mein Körper ist unser Zuhause und ich werde das schaffen.

Trotz meinem Mantra in meinem Kopf knallen meine Zähne so hart aufeinander, dass ich Angst habe, dass sie zerbrechen. Es dauert ein wenig bis die Oberärztin den Weg zu uns findet um die PDA vorzubereiten. Der Held nimmt sich eine kurze Auszeit un schnappt frische Luft. Die Hebamme möchte, dass ich auf einem Hocker Platz nehme und meinen Rücken krumm mache. Meine Schwester nimmt vor mir Platz. Meine Hände legen sich wie von selbst in ihre.

Ich bitte die Oberärztin mir einen Wehenblocker zu geben, weil ich in der Wehe den Rücken nicht krümmen kann. Sie beruhigt mich und erklärt mir, dass dies nicht nötig wäre. Sollte es dennoch so sein, würde sie mir einen geben. Es dauert fünf Wehen bevor sie soweit ist, mit den Spritzen an meiner Wirbelsäule zu hantieren. Sie erklärt nochmals, dass ich mich in dem Moment, wo sie die Kanüle zwischen (?) meine Wirbel legt, NICHT bewegen dürfe und legt los. Plötzlich spüre ich, wie eine Wehe anrollt und ich zische nur noch „Da kommt eine WEHE!!!“. Die Hebamme steichelt meine Schulter und erklärt beruhigend „Die Wehe darf kommen. Sie kommt und sie wird auch wieder gehen.“ Sie tönt genauso laut wie ich und begleitet mich in diesen Schmerz.

Die Wehe ging und die Kanüle sitzt. Ich muss weinen und lachen gleichzeitig. Meine Schwester würde mein Drücken sicherlich noch morgen in ihren Händen spüren. Genauso wie damals bei der Püppi.

Der Held darf wieder den Kreißsaal betreten und ich lege mich auf das große Bett. Es ist mittlerweile halb drei in der Früh und ich verspüre das erste Mal so etwas wie Müdigkeit. Der Wehenschmerz wird immer schwächer und ich schaffe es, mich still mit meiner Schwester zu unterhalten. Das CTG schreibt hingegen weiterhin brav weiter Wehenkurven. So eine PDA kann also auch beim ersten Mal direkt funktionieren und ich freu mich, dass ich dies dieses Mal erleben darf.

Es könnte jetzt noch bis in den Morgen dauern bis sich der kleine Mann in mir sehen lässt oder sehr schnell gehen. Fakt ist, dass die Kinder meiner Schwester spätestens um sechs Uhr wieder von ihr betreut werden müssten. Wir entscheiden uns dafür, dass sie nach Hause fährt. Ich bedanke mich und drücke sie fest. „Du hast bald dein Baby!“, flüstert sie mir zu und ich muss wieder Mal einen dicken Kloß runter schlucken.

Mein Baby.

Der Held kuschelt sich zu mir und wir decken uns mit der dünnen Bettwäsche des Krankenhauses zu. Die große Fensterfront vor dem Kreißsaalbett ist völlig ins Schwarze getaucht und spiegelt nur unser Zimmer wieder. Die wunderbar einfühlsame Hebamme flüstert und löscht das Licht. Sie stellt eine kleine Lampe hinter die dicken roten Wollgardinen, welche nun augenblicklich das Zimmer in warmes rötliches Licht setzen. Leise legt sie mir ein Blutdruckmessgerät an und bereitet den Wehentropf vor. Das CTG schrieb zwar noch Wehen, aber um mein Baby wirklich aus mir zu locken, mussten diese einfach stärker sein. Ich spürte nicht eine davon. Wunderbar diese PDA. Ein Traum.

Der Kopf des Helden berührte nicht mal das Kopfkissen, da war er schon eingeschlafen. Der Anblick brennt sich in meinen Kopf und ich verspüre tiefe Liebe in mir. So warm. Das Blutdruckgerät gab regelmäßig seine Pumpgeräusche von sich und die Hebamme bat mich darum, noch einmal nach dem Muttermund schauen zu dürfen. Sie nickte kurz. Sieben Zentimeter. Das bedeutet der Endspurt naht. Dennoch möchte sie, dass ich mich ein wenig ausruhe und versuche zu schlafen. Jede Minute zählt!

Sie verlässt schleichend den Raum und ich falle in einen gemütlichen Halbschlaf. Meine Träume sind kurz und wild als ich plötzlich einen Knall in mir spüre. Meine Hand schlägt automatisch zur Seite und ich flüstere: „Meine Fruchtblase ist geplatzt! Hol die Hebamme!!!“ Die Augen des Helden öffnen sich augenblicklich und er taumelt aus dem Bett. Keine zwei Minuten später steht die Hebamme an meinem Bett. Sie lächelt und ist sich sicher. Jetzt geht es los!

Ich beginne sofort zu weinen und versicher ihr, wie sehr ich mich freue. Ich erkläre ihr immer wieder, wie sehr ich diesen kleinen Menschen kennen lernen möchte. Wie lange ich auf ihn gewartet habe. Wie sehr ich mich einfach freue. Langsam aber sicher lässt die PDA nach und ich spritze sie nicht nach. Wir spüren beide, dass die Wehen nun kommen dürfen.

Währenddessen bereitet Sie Tücher unter meinem Po aus und schaut nochmal nach meinem Muttermund. Da sind sie die wichtigen 10 cm. „Moni, wenn du das Gefühl hast, einen Druck nach unten zu spüren, dann darfst du pressen.“ Sie greift zum Telefon und bittet die Oberärztin zu uns. Wir stehen unter der Geburt.

Meine Haut juckt durch das PDA-Mittel, aber die Hebamme verbietet mir, mich zu kratzen. Meine Zähne schlagen aufeinander, aber es hat keinen Sinn, sich gegen den Drang zu wehren. Ich lasse es zu und töne die erste schmerzhafte Presswehe. Mir ist nach einem Positionswechsel und so versuche ich mich in den Vierfüßler zu heben. Meine Arme hängen über dem Kopfteil des Bettes und spüre die nächste Wehe. Schmerzhafter. Intensiver. Mein Kinn klebt an meiner Brust während ich tief in mich presse.

Ich schaffe es nicht. Kann den Druck nicht kontrolliert nachgeben und muss mich sofort wieder auf den Rücken legen.

Die nächste Wehe kommt und ich presse mein Inneres nach unten. Lege jede Atempause mit voller Kraft nach und spüre endlich, wie sich sein Köpfchen den Weg bahnt. „Er ist gleich da“ weine ich und muss grinsen. „Er ist gleich da“. Die weltbeste Hebamme drückt feste meine Hand und erklärt der Oberärztin, wie sehr ich mich auf dieses Baby freue. Dass ich nicht eine Sekunde wütend war oder Angst hatte – ich würde mich einfach freuen. Wie wunderbar das ist.

Die nächste Presswehe lässt seinen Kopf zur Hälfte erscheinen und ich habe Angst zu zerreißen als die Wehe nachlässt, sein Kopf aber noch nicht vollständig geboren ist. Die Hebamme bittet mich zu hecheln und ruhig bleiben. Sie drückt und schiebt behutsam mit.

Mit einem kleinen Ruck spüre ich, dass ich das schwerste geschafft habe – sein Kopf war durch, aber eine weitere Wehenpause tritt ein. Mein Sohn beginnt zu gurgeln und leise zu meckern. Dabei dreht er seinen Kopf um 90 Grad und ich bin mir sicher, noch nie etwas so seltsames gespürt haben.

Ein letztes Mal. Ein letztes Mal und ich würde ihn bei uns haben. Mit aller Kraft schiebe ich ihn aus mir und darf ihnen bei den letzten Zentimetern helfen und selbst aus mir heben. Insitinktiv lege ich ihn mir auf die Brust und Küsse seinen warmen Kopf. Die Tränen rollen meine Wangen runter während der Held mich küsst.

Er war endlich da.

Justus Liam geboren am Freitag den 13. Sepember 2013 um 06:47 Uhr – 58cm groß – 4590g schwer – 37cm Kopfumfang

geburt

 

23 Kommentare
  1. Traumzweiplus
    Traumzweiplus sagte:

    Herzlichen Glückwunsch! Zu seinem ersten Geburtstag und für ein Jahr zu viert.

    So ein wundervoll ehrlicher Geburtsbericht – danke, dass du den teilst.

    (Jetzt darf ich gleich meinem Mann erklären, warum ich hier so schniefe… Hach!)

    Habt einen schönen Tag mit einer tollen Feier :)

    Antworten
  2. Hanna
    Hanna sagte:

    Libe Moni, vielen herzlichen Dank für den grandiosen Einblick. Mir liefen die Tränen und ich musste ganz oft meinen kleinen, der in meinem Arm schlief, als ich deinen Bericht gelesen habe, immer wieder fest drücken. Du hast das so einfühlsam geschrieben, dass man da nur mitfühlen kann.
    Ich wünsche euch allen – vor allem aber Justus – einen grandiosen ersten Geburtstag. Genießt den Tag in vollen Zügen und feiert den kleinen. Und dich, die ihn auf Eindrucksvolleweise zur Welt verhalf!

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  3. Nici
    Nici sagte:

    Ein unfassbar toller Bericht!
    So schön zu lesen. Mir sind so die Tränen geflossen. Wahnsinn!
    Einiges hat mich an die Geburt meines Sohnes erinnert.
    Ich wünsche dir heute einen wunderschönen Tag und lass dich auch etwas feiern.
    Danke für diese Zeilen.
    LG

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  4. CherryPuke
    CherryPuke sagte:

    Seit mindestens 4 Jahren verfolge ich jetzt dich und deine Blogs und mir ist das Lesen bis heute noch nicht langweilig geworden! Du schreibst einfach so schön :) Ich wünsche dem kleinen Helden auch hier nochmal alles Gute und euch allen einen schönen Tag. Und eins muss ich noch wissen.. stimmt das? War der kleine Held bei der Geburt schon 58 Zentimeter groß? Das ist ja der Wahnsinn… :D

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    • Moni
      Moni sagte:

      Ich freu mich auch immer wenn ich von dir ein bisschen was in meinem Leben lese, liebe Cherry <3 Ja das war er wirklich und soll ich dir was sagen? Seine Nabelschnur war auch soooooo lang!

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  5. Julia
    Julia sagte:

    Ich habe Tränen in den Augen und danke dir für diesen emotionalen Text. Eine Geburt spült sovieles an die Oberfläche – das ist immer wieder unglaublich…

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  6. Glueckskindl
    Glueckskindl sagte:

    Herzlichen Glückwunsch zum wunderbaren ersten Geburtstag!
    Und vielen Dank fürs Teilen dieses tollen Geburtsberichts. Der ist so toll geschrieben, mit so viel Liebe und Emotionen. Hach.Bei der Nachricht deiner Schwester, dass sie kommen wird musste ich sogar ein Tränchen verdrücken. Man konnte sich sehr gut in dich hineinversetzen. Das hast du alles richtig toll gemacht! Herzlichen Glückwunsch auch dir!

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  7. Betty
    Betty sagte:

    Alles Gute kleiner Bubu-Mann !!!
    1 Jahr …. Wahnsinn …!
    Und Du , liebe Frau Elch ( ich nenne Dich halt doch nochmal so ) : Respekt , Respekt , Respekt ….!
    Grüße auch an Deine kleine , hübsche Püppi & Deinen tollen Helden !
    Feiert noch schön !!!!
    Betty

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  8. Christa
    Christa sagte:

    Ich sitze hier und heule…soooo ein schöner Geburtsbericht.
    Alles Liebe und Gute dem kleinen Held zu seinem Geburtstag und herzlichen Glückwunsch zu so einer wunderbaren Familie.

    Antworten
  9. Sabrina
    Sabrina sagte:

    Auch ich wünsche dir und dem kleinen Helden alles Liebe zum Geburtstag. Dein Geburtsbericht ist wie immer wunderbar gelungen, wie alle Berichte von dir, weiter so! In vier Wochen wird Holly auch schon eins, unglaublich wie die Zeit vergeht. Daher wünsche ich euch fürs nächste Jahr die Entdeckung der Langsamkeit! Ganz liebe Grüsse

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  10. Frau_Nordlicht
    Frau_Nordlicht sagte:

    Liebe Moni,
    Ich folge dir schon seit der Schwangerschaft mit der kleinen Püppi und bin jedes Mal gerührt wie du von deiner tollen kleinen Familie erzählst. Ich wünsche euch einen wundervollen Restgeburtstag und freue mich auf weitere Eindrücke aus deinem Leben mit Püppi, kleinem und großen Helden an deiner Seite :)

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  11. Talymiau
    Talymiau sagte:

    So toll geschrieben, auch ich kam um einige Tränchen nicht herum.
    Danke das du seine Geburt mit uns geteilt hast ♥
    Bei Mila damals (ich war selbst zwar noch keine Mama) war ich auch so verzaubert. Du hast ein unglaubliches Talent zu schreiben, es fesselt, begeistert und lässt einen so sehr mitfühlen.
    Einfach großartig.

    Ich glaube wir haben die selbe App benutzt. Und wenn ich sie richtig genutzt hätte, statt sie immer wieder neu zu starten, wäre der Flur Zuhause wohl vom Fruchtwasser verschont geblieben ;)

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  12. Jana
    Jana sagte:

    Habe mit Tränen in den Augen deinen Bericht gelesen und mich an meine eingeleitete Geburt erinnert. Du hast es unfassbar schön geschrieben und ich hoffe ihr hattet einen 1sten Geburstag voller Liebe, Glück und Zufriedenheit <3

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  13. moody
    moody sagte:

    Wie sehr mich das an T.s Geburt erinnert… Gerade der Schluss. War hier genauso. Und er war auch so ein „Brummer“: 16.09.2013. – 22:03 – 4325 Gramm – 54 cm – 38 cm Kopfumfang . Hach!

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  14. Sabine
    Sabine sagte:

    Ich kenne dich von insta und habe heute diesen Bericht gelesen. Ich bin berührt und kann dir sagen, das ich noch nie so geweint habe bei einem geburtsbericht. Dieses Gefühl keine wehen produzieren zu können, oh wie gut ich das kenne. Mein Zauberkind kam per Kaiserschnitt auf die welt, weil sich auch bei mir nichts tat und Ärzte mir angst machten. Ich bin noch immer sehr traurig darueber das ich keine richtige Geburt hatte. Ob das leben mir das noch schenkt weiss ich nicht. Mein zauberkind wird bald sechs Jahre, ein bisschen wird es immer weh tun. Ein Brümmer war er uebrigens auch – 50cm, 3950 Gramm und ku 38 cm.
    Ich freue mich sehr für dich das du so ein schönes Erlebnis hattest.liebe gruesse und alles liebe weiterhin von Sabine (mama von Zauber Kind)

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