6 Wochen und 4 Tage

Wenn einem gefühlt ganze Berglandschaften vom Herzen fallen, dann ist das so befreiend und erlösend wie es nur sein kann. Vorgestern war ein Tag, an dem mich mehrmals dieses Gefühl überrollt hat.

Es hat genau eine einzige Sekunde gedauert bis ich dich gesehen habe. Ob es jetzt dran lag, dass du mein drittes Kind bist, dass weiß ich nicht, aber als das typische wirre Schwarz/Weiß auf dem Bildschirm bei der Frauenärztin erschien, da war ich nicht verwirrt wegen des Wirrwarrs, sondern sah sofort dich. Deine Fruchthöhle, deinen Dottersack und ganz klar dich.

Dein Herzschlag war so kräftig und stark, dass selbst der Ärztin ein „Oh, sie sind aber schon ganz schön weit“ entwich. „Ich schätze 6+3… Oh, laut Ultraschall sogar 6+6“. Entweder habe ich mich also mit dem Eisprung vertan, was ich ehrlich gesagt weniger glaube, weil ich ihn eindeutig gespürt habe, oder aber du bist schlichtweg jetzt schon ein kleiner Riese. So wie der Rest deiner Familie.

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Du bist dennoch erst winzig kleine 7 mm groß und hast bereits ein Herz, welches kräftig und ständig schlägt. Wie verrückt dieses Wunder „Mensch“ doch ist, oder? Ich meine 7 mm… Das ist so klein wie ein Reiskorn. Noch nie hat ein Reiskorn so viel Bedeutung in meinem Leben gehabt! Auch sonst bist du zeitgerecht entwickelt und scheinst dich pudelwohl zu fühlen. Die Ärztin füllte auf meinen Wunsch einen weiteren Mutterpass aus, damit auch du diesen irgendwann in deiner Erinnerungskiste haben kannst und beglückwünschte mich mehrmals zu dieser Schwangerschaft.

Ich mag unsere neue Ärztin. Sie ist einfühlsam, ruhig und nicht so distanziert und kalt. Sie behandelt mich nicht wie ein alltägliches Objekt, sondern zeigt Interesse an mir als Menschen mit meiner individuellen Situation. Die „alte“ Ärztin war auch super, so ist das nicht, nur leider einfach zu weit weg und damit war das ein K.O.-Kriterium für unsere Zeit. Flexibilität steht in unserer Schwangerschaft nämlich an oberster Stelle. Schließlich muss der normale Wahnsinn Alltag nebenher trotzdem gemeistert werden.

Nun heißt es wieder literweise Blut zur Verfügung zu stellen, damit alle möglichen Tests gemacht werden können und sollte alles nach Plan verlaufen, so sehe ich dich noch vor Weihnachten wieder. Drei Wochen können wirklich furchtbar lang sein!

5 Wochen und 6 Tagen

Huch, jetzt ist die Woche irgendwie doch an mir vorbei geflogen! Wir haben aber auch eine Menge erledigt und geschafft. Ein wenig wehmütig bin ich jetzt schon und schmolle frierend unter meiner Decke. Mir ist nämlich seit Tagen kalt und dein Papa ist sich mittlerweile sicher, dass ich da wohl die nächste Eiskönigin zur Welt bringen werde! Die nächste und damit letzte Urlaubswoche wird sicherlich genauso schnell vorüber gehen. Dabei beginne ich erst jetzt, mich langsam vom ganzen Arbeits- und Alltagsstress zu erholen.

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Papa und ich haben nämlich ein exklusiv „kinderfreies“ (naja… fast, wenn man von dir als versteckten Passagier an Board absieht) Wochenende in einem Wellnesshotel verbracht. Himmel, war das herrlich! In Ruhe essen, welches wirklich köstlich war, auf dem Bett rum lümmeln und Filme gucken oder den Spa-Bereich des Hotels auf den Kopf stellen. Das eine oder andere Glas Wein hätte sicherlich auch gut in meinen Bauch gepasst, wenn du den Platz dort nicht bereits besetzen würdest. Dafür habe ich sehr leckere Crème brûlée gegessen und wegen dem fehlenden Glas Wein einfach noch eine zweite Portion genommen. So geht das!

Deine Geschwister durften ein Wellness-Wochenende bei Oma und Opa verbringen und glaub mir, du hast dir wirklich die besten Großeltern der Welt ausgesucht! Die beiden werden und wurden nämlich von oben bis unten verwöhnt und haben den Oma/Opa-Bonus voll ausspielen können. Ein bisschen (denke ich) waren sie sogar froh, auch mal eine Pause von uns zu haben. *zwinker*

Morgen ist der nächste Wochenwechsel und damit du nachher ja nicht sagen kannst, „Eh Mama, wieso gab es von mir keine Bauchfoto-Reihe“ habe ich heute direkt mal eins im Hotelzimmer geschossen. Ok, ok, an der Auflösung und dem restlichen Feintuning arbeite ich noch – versprochen!

Noch drei Mal schlafen!!!

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5 Wochen und 2 Tage

Am Dienstag stand der große Wochenwechsel an! Juhu! Irgendwie scheint die Zeit nämlich zu kriechen und besonders langsam zu vergehen.  Das hängt sicherlich damit zusammen, dass ich ein bisschen Bammel hab und sehr nervös bin, weil ich endlich einen Termin beim Frauenarzt vereinbart habe, um dich zu sehen.

Da sammeln sich so viele Fragen in meinem Kopf!

Geht es dir gut?
Bist du zeitgerecht entwickelt?
Hast du ein Geschwisterchen im Schlepptau? (???!!!) Ich hab echt bei jeder Schwangerschaft Angst, mit Zwillingen schwanger zu sein und als ich letztens eine meiner heißgeliebten Kiwis aufschnitt und diese sich als eine Zwillingskiwi entpuppte, hab ich das gleich als Omen gesehen…
Was ist mit der Zyste am linken Eierstock, welche die Oberärztin damals im Krankenhaus entdeckt hat als uns 3.0 verlassen hat?
Und die dringendste Frage: MUSS ICH MIR SORGEN MACHEN?

Kaum, dass man weiß, dass man das Wichtigste der Welt in sich trägt, beginnt auch schon dieses Ding mit der Verantwortung! Nichtsdestotrotz zähle ich die Tage bis ich dich sehen darf. Noch sechs mal schlafen! DreiPUNKTeins3

4 Wochen und 5 Tage

Kotzübel ist mir. Da hast du dir wohl gedacht, dass ich nach zwei Schwangerschaften ruhig einmal spüren könnte, wie das so ist, wenn einen die Übelkeit überrollt. Denn sowohl bei deiner Schwester als bei dem Bruder war ich davon verschont. Schon beim Zähneputzen am Morgen muss ich mich arg zusammenreißen, um nicht gleich von vorne beginnen zu müssen, aber am schlimmsten trifft es mich am Abend und mitten in der Nacht. Da bin ich dann gut zwei bis drei Stunden damit beschäftigt die Übelkeit wegzuatmen, denn es gibt für mich nichts schlimmeres als mich zu übergeben und bisher konnte ich das umgehen oder eher umatmen.

Mein Bauch fühlt sich jetzt schon teilweise wie im 6. Monat an, der weltberühmte Blähbauch lässt schlichtweg grüßen! Dennoch macht mir dieses schnelle Wachsen deiner Wohnung auch ein bisschen Sorge. Schließlich hat dein großer (wie verrückt) Bruder vorher echt ordentlich Platz gemacht und wenn das bei dir nochmal nen Tacken mehr sein wird, dann kann ich für nichts mehr garantieren. *lach*

EIGENTLICH wollte ich nämlich die nächsten Wochen noch nicht groß mit dir angeben, aber die Wahl wirst du mir wahrscheinlich einfach abnehmen.

Jetzt genießen wir aber erstmal zwei Wochen Urlaub und wenn alles klappt, sehe ich dich am Ende des Urlaubs das erste Mal und hoffe, dein Herzchen fest und sicher schlagen zu hören. Da ich noch drölfttausend Schwangerschaftstests zuhause habe, teste ich weiterhin fleißig jeden Morgen und bin völlig fasziniert, dass mittlerweile die Testlinie noch vor der Kontrollinie erscheint und das HCG damit brav steigt.

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4 Wochen und 2 Tage

Vor ein paar Wochen schrieb ich diesen Titel bereits schon einmal.
All die Liebe, Aufregung und Überraschung war genauso groß wie bei dir jetzt. Irgendwann werde ich sicherlich auf Junibaby 3.0 eingehen können ohne direkt wieder weinen zu wollen, aber heute, heute schaffe ich das noch nicht.

Heute bist du da – 3.1.
Heute bist du da und wir sind zusammen vier Wochen und 2 Tage schwanger.
DAS ist alles, was für den Moment zählt und durch dich fühle ich mich schlichtweg sicher.
Ich dachte, es würde genau das Gegenteil passieren. Die Sorge das all meine Gelassen- und Entspanntheit für immer davon sein würde, was eine erneute Schwangerschaft betrifft, hat sich nicht bewahrheitet. Denn als auf dem Schwangerschaftstest die Worte „schwanger“ standen, da wusste ich, dass alles gut sein wird. Nein, alles gut ist.

Ich weiß, dass ich irgendwann dein wunderbares Gesicht zwischen meinen Händen halten werde und kann mich an diesem Gedanken einfach nicht satt sehen.

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Außerdem begleiten mich alle möglichen Schwangerschaftssymptome. Da musste ich, Misses Ichmussmichnieübergeben, vorletzte Nacht tatsächlich sehr lange und sehr ruhig atmen, um nicht im Elchgalopp Richtung Toilette zu sprinten. Schließlich wollte ich meinem Namen alle Ehre machen und behielt (Teu Teu Teu) alles in mir. Trotzdem beschleicht mich immer wieder am Tag eine kurze Übelkeitswelle und manchmal kann ich mich nur knapp bremsen.

Zudem bin ich absolut appetitlos. (Ich!!!!)
Ich esse, weil ich es muss (und es mir eigentlich Freude bereitet). Aber so richtig Geschmack habe ich auf nichts. Der Gedanke an meine Lieblingsgerichte juckt mich nicht und selbst meine heißgeliebte Crème brûlée lässt mich kalt (Total verrückt!!!).

Hitzewallungen, bleierne Müdigkeit und immer wieder Ziehen im Mutterleib geben mir zusätzlich zu meinem sonst auch sehr straffen Alltag als berufstätige Mama den Rest. Der Haushalt hat sich schon beleidigt in die Ecke verkrochen, weil ich ihn so sehr vernachlässige…

Aber was will ich eigentlich jammern, schließlich erwartet mich das größte Abenteuer des Lebens und ich würde um nichts auf der Welt tauschen wollen – mit Niemanden!